DIE AYURVEDISCHE SICHT AUF KRANKHEITEN
Die ayurvedische Sicht auf Krankheit unterscheidet sich von den Konzepten der modernen Medizin. Abgesehen von der ayurvedischen Anerkennung der pathogenen Wirkung von Viren und Bakterien, ist sie gegen ihre Fähigkeit, die Krankheit selbstständig zu verursachen. Eine große Anzahl von Mikroorganismen lebt im Körper und in der Umwelt, die von der Medizin als Krankheitsquelle angesehen werden. Warum wird eine Person von pathogenen Faktoren beeinflusst, während eine andere Person gesund bleibt? Was versteht man unter nicht offensichtlichen Faktoren bei der Entwicklung von Krankheiten?

Es gibt viele Methoden, die pathogenen Mikroorganismen wirksam bekämpfen. Meistens (z. B. bei urogenitalen Infektionen, Tuberkulose) tritt die Krankheit jedoch häufig nach einigen Jahren wieder auf. Antibakterielle und virenhemmende Therapie wirken kurzfristig. Das Wichtigste – diese Therapien die Krankheitsgründe nicht beseitigen.

Der Mensch ist nicht nur der Körper, sondern Krankheit ist nicht nur ein physikalisches Phänomen. Laut Ayurveda bestehen wir aus vier Aspekten: Seele, Geist, Gefühle und Körper. Diese vier Aspekte bedingen die Gesundheit und das Glück. Ein Schlüsselfaktor umfasst die Unterstützung der Lebenskraft jedes Aspekts und die Erhaltung seiner Verbindung zur grundlegenden Integrität des Lebens. Unter dem Strich bestimmt der Geisteszustand die Stärke und Schwäche des Körpers, seine Widerstandsfähigkeit oder Anfälligkeit für pathogene Faktoren.

Drei Krankheitsgründe:

  • Prajna aparadha – Fehler der Intelligenz
  • Asatmya Indriyadha Samyog – Missbrauch von Gefühlen
  • Parinam – die Einwirkungen von klimatischen Veränderungen.

Prajna aparadha. Ayurveda erkennt diese drei Ursachen und betrachtet den Fehler der Intelligenz als den Hauptgrund. Der schwierigste Fehler der Intelligenz ist ihre Selbstidentifikation mit Teilen der Kenntnisse und individuellen Objekten, sondern keine unbegrenzte Integrität, die diesem Fehler entspricht. Mit anderen Worten, wir neigen dazu, uns mit den Einschränkungen und nicht mit unbegrenztem Potenzial zu identifizieren. Diese Situation ist ein Stressfaktor, weil sie eine grundlegend falsche Lebenseinstellung darstellt. Die allermeisten Menschen sind bei ihrer Wahl unbewusst. Die Verhaltensmuster sowie das Glaubenssystem unserer Kultur, die wir anhand der Bildung erworben haben, manifestieren und verstärken den Verlust der natürlichen engen Verbindung zwischen der Intelligenz und der Quelle reinen Wissens.

Prajna aparadha wird im Kleinkindalter gebildet und entspricht einer allmählichen Schwächung des sattvischen Bewusstseins – Klarheit, Unschuld und Freude. Mit der Schwächung des Sattva verlieren wir die Fähigkeit den Unterschied zu machen. Die Schwächung des Sattva verursacht verschiedene Fehler unserer Intelligenz. Dazu gehört die Auswahl von Nahrungsmitteln und Verhaltensweisen, die dem natürlichen Gleichgewicht der Doshas im Körper und den Prinzipien der Elemente aus der Umwelt widersprechen. Die Fehlentscheidungen kommen in Konflikt mit den Naturgesetzen, im Wesentlichen sind sie die Verbrechen gegen unser Wohlergehen. Die Disharmonie in Naturbeziehungen widerspiegelt unsere innere Disharmonie, deren natürliche Folge die Entwicklung einer Krankheit ist.
Die Störung der Intelligenzintegrität verursacht eine falsche Wahl führt zur Krankheitsentwicklung. Vertiefen wir uns in Gedanken über das Trinken und Rauchen. Auf jeder Packung von Zigaretten steht ein Text mit einer deutlichen Gesundheitsschädigung. Es ist bekannt, dass Alkohol und Tabak das Immunsystem schwächen und eine Reihe schwerwiegender Krankheiten verursachen. Trotzdem trinkt und raucht man zu seinem Schaden.

Asatmya Indriyadha Samyog (Missbrauch von Gefühlen). Mit dem Verlust der sattvischen Komponente ist der Geit nicht fähig, die Entscheidungen zu treffen, die das Leben unterstützen, dann nutzen wie die Gefühle zu unserem Nachteil. Der Missbrauch von Gefühlen ist laut Ayurveda die zweite Krankheitsursache. Im ersten Kapitel haben wir drei Möglichkeiten für möglichen Missbrauch zur Sprache gebracht: Gefühle können neu gestartet, ausgehungert oder mit emotionalen Toxinen vergiftet werden. Der Missbrauch von Gefühlen schwächt ihre Schutzfunktion, demzufolge können die schädlichen Einflüsse auf Geist und Körper einwirken. In diesem Zusammenhang wird Sattva noch mehr geschwächt, es entsteht eine Dysbalance von Doshas und Ama (Toxine und Schlacken).

Parinam. Ama verstößt die Fähigkeit von Doshas zur funktionstüchtigen und effektiven Wechselwirkung. Doshas verlieren ihre natürliche Anpassungsfähigkeit und können sich nicht mehr in Klima- oder Jahreszeitenveränderungen eingewöhnen, um auf die Bedürfnisse des Körpers, die sich aus Änderungen des Verhältnisses von Bhut in der Umwelt ergeben, regelmäßig zu reagieren. Infolgedessen tritt eine größere Anzahl von Ama auf. In Ayurveda wird die Unfähigkeit des Körpers, sich in neue Bedingungen von Parinam einzugewöhnen, LA „den Einfluss von Elementen auf den Körper“ bezeichnet. Parinam gilt als die dritte Krankheitsursache.

Obwohl Prajna Aparadha die Hauptursache für Krankheiten ist, verletzen alle drei Faktoren die Harmonie zwischen den Bhutas, die über die Natur gebieten, und den Doshas, die die physiologischen Prozesse unter Kontrolle bringen. Im Falle der Nichtübereinstimmung von Rhythmen unseres Lebens mit den Naturrhythmen sind Stress, schlechte Verdauung und Dysbalance von Doshas die natürlichen Folgen.

Der Verlust des Gleichstandes von Doshas verursacht die Belastung sowohl von Yathar Agni als auch Agni Dhata. Abgeschwächtes Yathar Agni hat eine verringerte Fähigkeit, die Lebensmittel in die Nährstoffe umzuwandeln. Infolgedessen wird Ama gebildet und Dhata erhalten ungenügende Nahrung. Die Ansammlung von Toxinen im Dhata und ungenügende Nahrung verursachen die Immunitätsstörung. Der Körper beginnt die Verstärkung von pathogenen Faktoren, die Vermehrung von Viren und Bakterien, die den Grund für zahlreiche Infektionen und degenerativen Krankheiten vorbereiten. Die ayurvedische Sicht auf Krankheiten bestimmt die Pathogenen als sind die zweite Krankheitsursache. Fast immer tritt die Krankheit auf dem physischen Niveau als Folge einer Funktionsstörung und der anschließenden Entwicklung von Strukturfolgen auf.

Sechs Krankheitsstadien (Shat Kriya Kal)
Die moderne Medizin unterscheidet nur zwei Krankheitsstadien. Das erste Stadium ist eine, an der die Krankheit schon erkennbar ist. Das zweite Stadium bestimmt die Komplikationen, d.h., dass die Krankheit sich auf anliegende Körperabschnitte ausbreitet und über die unumkehrbare Wirkung verfügt.
Ayurveda markiert sechs Stadien der Krankheitsentwicklung (shat kriya kal), von denen das Stadium der sichtbaren Krankheit und das Stadium der Komplikationen die letzten zwei Plätze einnehmen. Bevor Manifestation von ersten äußeren Symptome kann ein ayurvedischer Arzt die Krankheit erkennen und beseitigen. Die Hauptfaktoren für die Krankheitsentwicklung sind die Toxizität von Ama und die Beweglichkeit von Doshas.

Stadium Nr. 1 – Ansammlung (Sanchaia)
In diesem Stadium wird die Ama, die infolge der Verdauungsstörung von Prapak entstanden wurde, im Magen-Darm-Trakt angesammelt.
Dieser Zustand ist mit einem schwachen Yathar-Agni und einem Überschuss eines der Doshas verbunden. Ama mit überschüssigem Kapha, wird im Magen angesammelt. Ama mit der Dysbalance von Pitta, wird im Dünndarm angesammelt. Ama mit der Dysfunktion von Vata, wird im Dickdarm angesammelt. Das Vorhandensein von Ama stört die Aktivität der Doshas und zeigt sich in Form von geringgradigen aber deutlich erkennbaren Symptomen. Trotzdem reagiert ein Mensch fast nie auf diese Symptome, weil sie in wenigen Stunden selbstständig verloren gehen. Stellen Sie sich vor, dass Sie beim Abendessen mit Ihren Freunden etwas Unverdauliches gegessen haben. Vielleicht liegt es nur daran, dass es spät war und Yathar Agni schon „eingeschlafen“ war. In dieser Nacht hatten Sie Verdauungsstörungen, die Ihren Schlaf verhinderten. Am Morgen hatten Sie Schweregefühle, Schläfrigkeit und möglicherweise Übelkeit. Unvollständig verdautes Essen blieb im Magen und die Übelkeit war ein Körpersignal hinsichtlich der Notwendigkeit, dieses Essen loszuwerden. Die beste Lösung in dieser Situation ist zu fasten, das Verdauungsfeuer wiederherzustellen, um die volle Stärke und die Verdauung zu beendigen. Unsere Handlungen? Wir trinken Kaffee, nehmen ein Antazidium, um die Symptome zu verstecken und das Wohlbefinden zu verbessern.

Ohne angemessenes Verhalten und Erfüllung von entsprechenden Maßnahmen bleiben das unverdaute Essen und Nebenprodukte der Funktion von Doshas im Körper, dann werden sie in den Darm überführt. In den Mittagsstunden haben Sie keine Übelkeit, weil sie in erhöhte Säurehaltigkeit, Blähungen und einen unangenehmen Geschmack im Mund umgewandelt. Die obigen Folgen entstehen wegen des Übergangs des unverdauten Essens in die Pitta-Zone. Die Einnahme von einem anderen Antazidium oder Blockierung des unangenehmen Zustands „mit dem Essen“, obwohl wir keinen Hunger verspüren, wird unser Problem nicht lösen, sondern wird Yathar Agni mehr belastet. Den ganzen Tag wird die Energie niedrig sein, aber am Abend oder am Morgen wird sich die Verbesserung des Zustandes zeigen.
Es erweist sich, dass neben der Beseitigung der Übelkeit und Blähungen verlieren wir eine Chance, die nachfolgenden Krankheiten loszuwerden. Diese Symptome verschwinden nicht, weil wir uns objektiv besser fühlen, sondern weil Ama den Verdauungstrakt nicht mehr belastet und trotz der subjektiven Verbesserung des Wohlbefindens die ersten Kerne von nachfolgenden Krankheiten bereits im Körper vorhanden sind.

Stadium Nr. 2 – Prakopa oder Aufregungsstadium
Sobald wir uns besser fühlen, denken wir nicht mehr an die Ernährungs- und Lebensstilveränderungen. Wir ignorieren weiterhin die Warnzeichen des Körpers und sammeln Ama an. Unter dem Strich übergeht die erhöhte Anzahl von Ama, das heißt, dass Ama sich „aufgeregt“ und ist sie an den Ansammlungsstellen (Verdauungstrakt) aktiv, dann erfolgt der Beginn des dritten Krankheitsstadiums. Das zweite Stadium hat keine ausgeprägten klinischen Symptome aber ein erfahrungsreicher ayurvedischer Arzt kann das Vorhandensein von Ama anhand des Pulses festzustellen und Empfehlungen zur Krankheitshemmung geben.

Stadium Nr. 3 – Prasama oder Verteilungsstadium
„Prasara“ – „verlassen“ und „sich ausbreiten“. Die überfließende Anzahl von Ama an ihrer Bildungsstelle – im Magen-Darm-Trakt – wird Ama mit Doshas und Nährstoffen infolge der Doshi Gati in Dhata übertragen (Bewegung der Doshas von Hohlräumen zu tieferen Strukturen und vice versa, die zweimal pro Tag zu beobachten ist).

Auf diesem Hintergrund entsteht eine Frage: Warum überträgt die Doshi Gati Amu in entgegengesetzter Richtung nicht – vom Dhata zu den Hohlräumen. Die Antwort besteht in der Klebefähigkeit von Ama. Sobald setzt sich Ama im Dhata fest, verhindert seine Klebefähigkeit, in den Magen-Darm-Trakt zurückzuführen. Der Weg von Ama von einem Dhata zum anderen entspricht der Rheinfolge ihrer Entwicklung (vom Magen-Darm-Trakt zur Rassa Dhata, dann zum Rakta Dhata, Mamsa Dhata, Meda Dhata usw.).

Stadium Nr. 4 – Sthana Samshraya oder Ablagerungsstadium
Ama zeigt sich in abgeschwächten und kranken Dhata, an Stellen mit schwacher Immunität. Dort verursacht es die funktionellen Strukturstörungen. In diesem Stadium beginnt die Entwicklung von degenerativen Erkrankungen und es besteht die Gefahr von schweren Infektionen. Welche Dhata das Ziel für Ama werden, hängt diese Bedingung von einer Reihe von Faktoren ab. Zu diesen Faktoren gehören: Vererbung, Einfluss des vorherigen Lebensstils und Ernährung, Stress, chemische Verschmutzung und Strahlung, Verletzungen. Die Kombination dieser Faktoren führt zu einer Schädigung bestimmter Gewebe.

Stadium Nr. 5 – Vyakta oder das klinische Stadium
Vyakta bedeutet „etwas, was man sehen kann“. In diesem Stadium treten die ersten sichtbaren Symptome auf. Die Krankheit unterdrückt die Fähigkeit des Körpers, seine Schutzfunktionen zu unter­stützen. Die angesammelten Funktionsstörungen und strukturelle Veränderungen verursachen das „Aufwachen“ der Krankheit. Unter diesen Bedingungen zeigt sich der schmerzhafte Prozess mit Symptomen, die die westliche Medizin zur Klassifizierung und Feststellung der Diagnose verwendet. Bei Abwesenheit der genaueren Bedeutung von Krankheitsursachen in der modernen Medizin zielt die Behandlung häufig darauf ab, die Symptome, sondern nicht die Ursachen zu beseitigen. Im Falle der Linderung der Symptome erfolgt die Wiederherstellung der Krankheit in der Regel oder ein anderer Manifestationsweg der Krankheit.

Stadium Nr. 6 – Bheda oder Stadium der Komplikationen
Bheda – „Differenzierung“. Im fünften Stadium kann eine allgemeine Diagnose gestellt werden, im sechsten – Differentialdiagnose. In diesem Stadium zeigen sich alle Symptomgruppen im Detail, und daher besteht kein Zweifel an der Krankheitsart. Dieses Stadium ist durch eine schwere Funktionsstörung des Dhata und eine schwere Schädigung der Shrot – die Kanäle, die in jedem Dhata verlaufen, sowie Komplikationen – die Schädigungen des angrenzenden Dhata, gekennzeichnet. Schmerzhafte Wirkungen können durch die Nebenwirkungen von Arzneimitteln verstärkt werden. Im Bhed-Stadium können viele Krankheiten nicht geheilt werden.
Degenerative Veränderungen und Infektionen entwickeln sich nicht über eine Nacht. Ihre Entwicklung dauert innerhalb der Jahre und Jahrzehnte wegen des ungesunden Lebensstils und der falschen Ernährung. Die Kenntnisse hinsichtlich der richtigen Lebensmittel und Lebensstils, die der erforderlichen Konstitutionsart entsprechen, können die Krankheit vorbeugen. Dies ist immer einfacher als die richtige Behandlung durchzuführen. Daher sind Kenntnisse über die Vorbeugung von Krankheiten und die Unterstützung des gesunden Lebensstils erforderlich.